Urwald? Wildnis?

Steil geht es bergauf und bald enden dann auch die breiten, befestigten Wege. Mal auf engen, mal auf lichten Pfaden führt der Urwald-Steig sowohl durch jungen, schier undurchsichtigen wie auch durch alten, hallenartigen Buchenwald. Helle Waldabschnitte wechseln mit dunklen. Das eher hellgrüne Laub der Buchen kontrastiert mit den dunkleren, leicht olivgrünen Blättern der Eichen, die sich vereinzelt dazwischen finden. Großes Landschaftskino – ständig gibt es etwas zu entdecken. Der Boden bietet den Füßen oft einen angenehm weichen Auftritt und so gehen diese fast wie von selbst – auch wenn es immer mal hoch und runter geht. Die schönen Aussichten und die Abwechslung der Wege lassen die Anstrengung vergessen. Ebenfalls vergessen lässt der Urwald-Steig die Frage, ob das nun Urwald sei oder eines Tages werden könnte. Auch die Frage, wo das Holz herkommen soll, das wir ja doch benötigen, ist an diesem Ort nicht angebracht. In Erinnerung hingegen kommt mir das Zitat, das ich mir im Naturparkzentrum notiert habe:

„Es ist umsonst, wenn wir von einer Wildnis träumen, die in der Ferne liegt. So etwas gibt es nicht. Der Sumpf in unserem Kopf und Bauch, die Urkraft der Natur in uns, das ist es, was uns diesen Traum eingibt.“
(Henry David Thoreau; 1817 – 1862)

[Auszug auf aus „Urwald-Steig“. In: Weisshaar, Bertram: Denkweg. 2016 München. Oekom Verlag]